Leseprobe

aus dem 5. Kapitel:

 

Das jähe Dunkel schien sie anzuspringen. Es kam ihr heftig und physisch vor. Sie riss die Augen auf, aber nichts war zu sehen.

 

Dunkelheit hatte eine seltsame Eigenschaft. Einmal hatte Professor Wüstenberg sie eine Szene in kompletter Dunkelheit spielen lassen. Sie waren alle intensiver geworden, mutiger. Dunkelheit hatte die Eigenschaft, nicht nur das Sichtbare, sondern irgendwie auch die Scham zu nehmen. Und: Man bekam zugleich weniger und mehr mit. Sie sah zwar nichts mehr, aber sie spürte etwas. Eine Berührung an ihrer Kehle. Atem. Er strich über ihren Hals.

 

Sie seufzte und bewegte den Kopf, doch die flatternde Luftbewegung ließ sich nicht abschütteln, wanderte zur Halsschlagader und verharrte über der blutvollen Stelle.

 

Der Atem ging Veroniques Hals hinunter, zu ihren entblößten Brüsten. Bewegte sich fingergleich über ihre Haut. Streifte ihre Brustspitzen – flüchtiger als jede Berührung, aber sie wand sich darunter. Der Atem wanderte ihren Bauch hinab und spielte mit dem Nabel. Die Dunkelheit brodelte um sie herum. (...)