Leseprobe

„Gib mir etwas, was mir gehört!“, sagte sie eines Nachts. Mittlerweile war es Winter geworden.

 

Schnee fiel in kleinen, scharfen Nadeln gegen die Scheiben. Ihre funkelnde Stimme füllte den Raum.

Sie hatte eine Leine um meinen Hals geknüpft und saß auf dem Schreibtisch, während ich vor ihr kniete und ihre Stiefel leckte. Durch leichtes Rucken und Ziehen an der Leine korrigierte sie meine Bewegungen, lenkte mich.

 

Ich hob den Kopf und sah sie erstaunt an. Diesen Satz hatte ich niemals ins Skript geschrieben. Da fühlte ich schon den Schlag auf der Wange. Die Ohrfeige wiederum stand auf dem Papier.

 

„Sieh mich nicht an! – Mach weiter! – Auch die Sohlen!“

 

Gehorsam leckte ich weiter, leckte hingebungsvoll das grobe Material, die Hacken und schließlich die Sohlen. Draußen, vor den Fenstern trieben Kälte und Dunkelheit. Tatjana hatte, bevor sie mich aus dem Bett gezerrt hatte, die Fenster geöffnet – genauso, wie ich es aufgeschrieben hatten.

Der Mond schien, und der Springbrunnen im Vorgarten war eingefroren. Die Fontäne stand glitzernd vor Eis in der Luft. Ich fror. Gänsehaut überzog meinen nackten Körper, und ich wollte mich schützen, wollte meine Arme um mich schlingen, aber die waren nicht zu gebrauchten. Sie hingen hilflos hinter meinem Rücken herab, eng aneinandergepresst und fest verschnürt in einem Fäustling aus Leder, der bis über meine Ellbogen reichte.

 

„Weiter! Nicht so lahm!“, sagte sie und zerrte an der Leine, bis ich schneller leckte. Ich war nichts, weniger als ein räudiger Hund, ich war nur für ihre Stiefel da, ich fror erbärmlich, und das war gut. Es war so gut!

 

„Etwas, was mir allein gehört. Hörst du? Gib es mir. Gib – es – mir!“, sagte sie, als ich gebunden über dem Tisch lag und sie mich im Rhythmus ihrer Worte schlug.